Das Kunstwerk bei der Täuferbrücke wurde durch Jean-Pierre Gerber geschaffen und am 22. Mai 2011 im Rahmen der Journées du Parc Chasseral eingeweiht. Es befindet sich auf einer Parzelle der Bürgergemeinde Corgémont und ist Eigentum der Konferenz der Mennoniten der Schweiz.
Nebst der Lokalgeschichte und die der Mennoniten zeigt es auch, auf dem obersten Zylinder, die Entwicklung des Logos der KMS, ebenfalls durch Jean-Pierre Gerber entworfen: Die Verbindung zwischen Gott und den Menschen führt über das Kreuz Jesus-Christi.
Vom Standort der Skulptur aus sieht man auf das Tracé der alten Täuferbrücke, welches im Jahr 1924 jäh unterbrochen wurde, als sie einstürzte. Für die neue Brücke musste ein anderer Weg gefunden werden – Sinnbild für das Leben der verfolgten Täufer, aber auch für unser Leben mit allen Herausforderungen.
Geschichtlicher Hintergrund und Erklärungen zu den Inschriften auf dem Kunstwerk
16. Jahrhundert
1525 > 21.01. Geburtsstunde des Schweizer Täufertums in Zürich. Die ursprünglichen Schüler und Weggenossen Huldrych Zwinglis (1484-1531) haben sich mit dem Zürcher Reformator zu Fragen des Kirchenverständnisses und der Beziehung Kirche und Staat überworfen. Nach erfolglosen Gesprächen mit dem Reformator und angedrohten Massnahmen des Zürcher Rates vollziehen sie sich gegenseitig die Glaubenstaufe in Zürich (Georg Blaurock (um 1491/92-1529), Konrad Grebel (um 1498-1526), Felix Manz (um 1500-1527).
1527 > 05.01. Felix Manz wird in Zürich ertränkt.
1527 > 24.02. Die 7 Artikel von Schleitheim (SH): Die Täuferführer versammeln sich in Schleitheim und der frühere benediktinische Priester und Prior Michael Sattler (um 1490-1527) verfasst in gemeinsamer Vereinbarung die sieben Artikel, welche die theologische Grundlage der „Schweizer Brüder“ werden sollten (die Taufe, der Bann, das Abendmahl, die Absonderung von den Greueln, die Hirten in der Gemeinde, das Schwert und der Eid).
1527 > 10.05. Michael Sattler, Verfasser der sieben Schleitheimer Artikel, wird in Rottenburg (D) verbrannt.
1528 > 09.03 Blaurock und seine Täufermitbrüder werden aus Biel verbannt. An der öffentlichen Reformationsdisputation in Bern vom Januar. 1528 wollte Blaurock vergeblich teilnehmen und begab sich darauf nach Biel.
1528 > 10.03. Balthasar Hubmaier (um 1480-1528) wird in Wien (A) verbrannt. Drei Tage später wird seine Gattin Elsbeth im Fluss der Stadt ertränkt. Der frühere Doktor der Theologie und Professor zählt zu den theologisch gebildetsten Täufern und er gewinnt die Stadt Waldshut (D) 1523/1525 für das Täufertum (die „Schwertler“). Nach seiner Flucht mit seiner Gattin Elsbeth nach Zürich begeben sie sich nach ihrer Ausweisung über Konstanz, Augsburg nach Nikolsburg (Mähren) und werden dann verhaftet.
1534/35 Täuferreich zu Münster in Westfalen (D): Unter dem Einfluss von Melchior Hofmann (um 1495-1543), in Strassburg gefangen, bildet sich in Norddeutschland und den Niederlanden ein apokalyptisches und chiliastisches Täufertum. Die Stadt Münster wird die Hochburg dieser Bewegung. Jan Mathys und besonders Jan von Leiden errichten mit Gewalt das Reich von Zion (Gütergemeinschaft und Vielweiberei). In der Nacht vom 24./25 Juni 1535 können sich mehrere Hundert Söldner in die Stadt einschleichen. Somit beginnen das Massaker und das Ende der Dissidenten.
1538 Hans Schnider aus Moutier-Grandval erscheint an der letzten grossen Täuferdisputation in Bern vom 11. – 17. März: Er ist der erste namentlich erwähnte jurassische Täufer in den Quellen.
1544 > 28.03. Die sieben Schleitheimer Artikel sowie das Martyrium eines Michaël (Sattler?) erscheinen in einer französischen Übersetzung in einer Auflage von 1500 Exemplare in Neuenstadt. Bern befiehlt Murten, Grandson, Nidau, Erlach und St. Johansen die Broschüre zu konfiszieren.
1571 > 20.11. Hans Haslibacher (um 1500-1571) vom Emmental wird als letzter Berner Täufer Märtyrer mit dem Schwert in Bern hingerichtet (Haslibacherlied).
1575 Das ursprünglich holländische „Fundamentum“ von Menno Simons (1492-1561) erscheint in deutscher Sprache und findet dankbare Aufnahme bei den Schweizer Täufern. Der frühere Priester Menno Simons (Mennoniten) sammelt die pazifistischen Täufer im Norden nach der katastrophalen Niederlage des Täuferreiches zu Münster i.W. im Jahr 1535.
1592 > 15.04. Ein Berner Mandat regelt den Exodus der Täufer nach Mähren zu den Hutterern, die die Gütergemeinschaft pflegen. Heute leben die Hutterer in den USA und Kanada.
17. Jahrhundert
1614 > 29.09. Hans Landis (um 1545-1614) stirbt als letzter Schweizer Täufer durch das Schwert in Zürich.
1659 Holländische Täufer intervenieren in Bern zu Gunsten der Verfolgten.
1660 Der Märtyrerspiegel der Täufer erscheint holländisch.
1671 Bern verfügt Galeerenstrafen für hartnäckige Täufer. Etwa 700 Täufer werden in die Pfalz vertrieben.
1693 Amisches Schisma: Jakob Amman (1644-vor 1730) von Erlenbach im Simmental und Hans Reist
(vor 1644-nach 1697) vom Emmental können sich nicht einigen. Die Partei von Jakob Amman wird sich die Amischen nennen und die Nachkommen leben heute besonders in den USA und in Kanada.
1693 > 09.08. Das Berner Mandat will die Täuferei endgültig ausrotten.
1699 > 04.01. Bern führt die Täuferkammer ein, die bis zum 04.12.1743 besteht: Täuferjagden werden durchgeführt. Die Intensität der Repression zwingt viele Täufer auf dem Boden des „arc jurassien“ Zuflucht zu suchen (früheres Fürstbistum Basel, Neuenburger Gegend bis ins Elsass).
18. Jahrhundert
1710/1711 Die holländischen Täufer verhindern mit Erfolg die bernische Deportation von 56 Täufern aus dem Emmental nach Amerika. Ein Jahr später verlassen vier Schiffe die bernischen Lande Richtung Amerika (Emmentaler-, Oberländer-, Thuner- und Neuenburgerschiff). Diejenigen, die in Holland ankommen, werden dort freigelassen und besonders die Amischen treten die Reise über den Atlantik in die neue Heimat an.
1729 > 25.03. St. Immertal: Die Gemeinden St-Imier, Sonvilier, Renan, Villeret und les Montagnes verlangen beim Fürstbischof die Vertreibung der Täufer. Am selben Tag protestieren die Grundbesitzer der von Täufern bewirtschafteten Sennereien beim Bischof gegen die Vertreibung. Corgémont hatte die Vertreibung schon am 10.05.1723 verlangt, die fünf genannten Gemeinden vorgängig am 13.05.1726, Tramelan am 29.01.1732 und Sonvilier anno 1738.
1744 Die Täufer des Jura lassen die zwinglische Froschauer Bibel von 1536 bei Simon Kürchner zu Strassburg drucken. Ein photomechanischer Reprint erscheint bei den Hutterern 1975 in Canada.
1748 Die deutsche Übersetzung des holländischen Märtyrerspiegels der Täufer von 1660 findet Aufnahme bei den Schweizer Täufern.
1767 Der Fürstbischof von Basel gibt abschliessend eine für die Täufer günstige Stellungnahme ab: Als tüchtige Landwirte sind die Täufer der Region sehr dienlich.
1792 Die französischen Revolutionstruppen besetzen den Norden des Juras und nach der Niederlage am Grauholz 1798 muss auch die alte Berner Regierung kapitulieren: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, d.h. Glaubensfreiheit sind die Leitmotive und gelten für alle.
19. Jahrhundert
1805 Der Dekan Charles-Ferdinand Morel von Corgémont (1772-1848) verfasst ein den Täufern der Region wohlgesinntes Gutachten.
1815 Der Wiener Kongress (A) teilt das frühere Fürstbistum Basel dem Kanton Bern zu. Artikel 13 sichert den jurassischen Täufern ausdrücklich die Glaubensfreiheit zu, was für die Emmentaler Täufer erst ab 1820 gilt.
1830 Neutäufer Schisma: Der dissidente Pfarrer Samuel Fröhlich (1803-1857) spaltet mit seiner Predigt die Täufergemeinden im Emmental.
1835 Der Dekan Charles-Ferdinand Morel aus Corgémont ergreift die Initiative zur Wiedererstellung der Täuferbrücke aus Stein.
1874 Einführung der obligatorischen Wehrpflicht in der Schweiz: Viele pazifistischen Täufer ziehen es vor, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Die Täufergemeinden „Scheiwo“ (Chaluet), Münsterberg und Delsbergtal (Vallée de Delémont) gehen ein.
1875 Die erste Täuferkapelle im Jura wird in Le Cernil / Tramelan gebaut. Zu Beginn versammelen sich die Täufer im Jura bei der Täuferbrücke oder beim Geisskirchli. Später dann abwechslungsweise bei den Täuferfamilien. Der Gottesdienst (“gmein“) mit einfachem Mittagessen dauert morgens bis abends.
1889 Das deutsch-amerikanisch-täuferische Gesangbuch ersetzt allmählich den Aussbundt, das täuferische Gesangbuch aus dem 16. Jahrhundert.
Ab 1894 Die jurassischen Täufer sind Pioniere bei der Zucht des Juraschafes, der Kühe und des Freibergerpferdes (cheval teufet). Die Kuhrasse von Montbéliard geht auf die Simmentaler Rasse zurück, die die emigrierten Berner Täufer mit Erfolg in Montbéliard gezüchtet haben.
20. Jahrhundert
1909 Gründung des „Brüdervereins“. Der Evangelist Fritz Berger (1868-1950) besucht den Jura und seine Predigt führt dazu, dass etliche Täufer seiner Organisation beitreten.
1924 Die steinerne Täuferbrücke bricht zusammen.
1925 Die erste Weltkonferenz der Täufer / Mennoniten tagt vom 13. – 16. Juni 1924 in Basel und Zürich zum Gedenken an 400 Jahre Täufertum (1525-1925).
1947 > 09.09. Fall Möckli: Mit der Verweigerung der Wahl des Jurassiers Georges Möckli (1889-1974) an die Bau- und Verkehrsdirektion durch den bernischen
Grossen Rat wird die Jurafrage zu einer politischen Streitfrage. Die acht verbleibenden Täuferschulen werden allmählich geschlossen.
1973 Der Schweizerische Verein für Täufergeschichte wird gegründet. Publikationsorgan: Mennonitica Helvetica.
1975 Nach mehreren Jahren des Ringens und des Kampfes (Fall-Möckli) entscheidet sich der Norden des Juras am 23. Juni 1974 für einen neuen Kanton Jura. Am 16. März 1975 bekundet der Süden des Juras seinen Willen, beim Kanton Bern zu verbleiben. Das Schweizer Volk nimmt am 24. September 1978 den neuen Kanton Jura in die Eidgenossenschaft auf.
1978 Das Archiv der Schweizer Täufer wird in Jeanguisboden / La Tanne eingerichtet. Zur Einweihung findet vom 25.09. – 1.10.1978 die Ausstellung „Eine religiöse Minderheit: die Mennoniten“ statt.
1983 Die Konferenz der Schweizer Alttäufer wählt „Mennoniten“ als offizielle Bezeichnung. Dies ist der internationale Name der pazifistischen Dissidenten im Gefolge von Menno Simons.
1988 Die Ausstellung „Berner Täufertum und Reformation im Dialog“ zum Gedenken an 450 Jahre Täuferdisputation in Bern (1538-1988) von Mai – Juni im Historischen Museum in Bern zieht viele Besucher an. Ein Gedenk- und Versöhnungsgottesdienst findet am 8. Mai in der Nydegg-Kirche in Bern statt. Die 4. Mennonitische Europäische Regionalkonferenz „In der Welt leben“ vom 12. – 15. Mai in Tramelan geht gleichzeitig über die Bühne.
21. Jahrhundert
2004 > 26.06. Versöhnungstreffen Reformierte-Mennoniten anlässlich des Gedenkens an den Zürcher Reformator Heinrich Bullinger (1504-1575).
2010 Bau der neuen Täuferbrücke.
Text:
Dr. Ulrich J. Gerber










