Eine Umfrage, die für den Global Youth Summit der Mennonitischen Weltkonferenz erstellt worden ist, gibt der mennonitischen Jugend der Schweiz eine Stimme. Sie zeigt eine Generation, die sich ihrer Gemeinde verbunden fühlt, ihren Glauben dort gerne lebt und Freundschaften pflegt.
Was denken junge Schweizer Mennonit:innen über ihre Gemeinde? Diese Frage stand im Zentrum einer Umfrage, die die Mennonitische Jugendkommission der Schweiz im Herbst 2024 lancierte. Sie diente als Grundlage für die Vorbereitungen auf den Global Youth Summit der Mennonitischen Weltkonferenz im Mai des vergangenen Jahres. Die Umfrage wurde während dem Sport-Weekend bekannt gemacht und erreichte knapp vierzig Personen. Das entspricht rund einem Viertel bis einem Drittel der mennonitischen Jugendlichen in der Schweiz zwischen zwölf und dreissig Jahren.
Das Ziel war einfach: den Puls einer Generation zu spüren. Zu verstehen, wie Jugendliche ihre Gemeinde, ihre Jugendgruppe und ihr Engagement erleben – und was sie motiviert, sich einzubringen. Die Ergebnisse wurden als Infografik aufbereitet. Sie vermitteln ein positives, teilweise überraschend vitales Bild.
Gemeinde als Ort zum Durchatmen
«Die Gemeinde ist für mich ein Ort, an dem ich Atem hole, bevor ich wieder hinaus ins Leben gehe», lautete einer der Sätze, zu dem die Jugendlichen Stellung nahmen. Mehr als zwei Drittel stimmten der Aussage zu. Dieses Bild des Atmens zieht sich wie ein roter Faden durch die Umfrage: Die christliche Gemeinschaft ist für viele ein Ort, der ihnen geistlichen Sauerstoff bietet. Man kommt, um zur Ruhe zu finden, aufzutanken und sich inspirieren zu lassen, bevor man in den Alltag zurückkehrt. Und diesen Atem schätzen sie: Fast 80 Prozent geben an, in ihrer Gemeinde glücklich oder sehr glücklich zu sein.
Gleichzeitig bleibt Raphaël Burkhalter realistisch: Viele Rückmeldungen stammen von Jugendlichen, die bereits engagiert und motiviert sind. Kritischere Stimmen haben die Umfrage möglicherweise nicht ausgefüllt. In den eingegangenen Antworten wird aber auch Schwieriges benannt: Einige bemängeln, dass Jugendgruppen in den Gemeinden manchmal zu gross seien, Intimität fehle oder Erneuerung nötig wäre. Andere erwähnen den anspruchsvollen Übergang vom kirchlichen Unterricht zur Jugendgruppe – ein Moment, in dem gewisse Jugendliche aus der Gemeinde abspringen. Trotz dieser Anmerkungen bleibt der Gesamteindruck klar: Die mennonitische Jugend lebt ihren Glauben in einem Klima der Zugehörigkeit und Dankbarkeit, in dem Beziehungen häufig mehr zählen als die Formen der Aktivitäten.
Was trägt im Gemeindegottesdienst?
Gefragt nach dem, was ihnen im Gottesdienst besonders wichtig ist, nennen die Jugendlichen zuerst die Lobpreiszeiten – Momente, in denen sie sich Gott und anderen nahe fühlen. Danach folgen Zeugnisse und Predigt, und schliesslich einfach die Freude, mit Freund:innen zusammen zu sein, einen Kaffee oder ein Znüni zu teilen. Entscheidend ist weniger ein perfekt geschnürtes Programm als eine Atmosphäre von Beziehung, Aufrichtigkeit und unkomplizierter Gemeinschaft. Manche schätzen insbesondere die informellen Momente nach dem Gottesdienst, in denen Gespräche über Glauben und Zweifel in einem wohlwollenden Rahmen möglich sind.
Die Umfrage zeigt auch die sprachliche Vielfalt der Schweizer Mennoniten. Die meisten Antworten stammen aus der Romandie, wo die grösste Zahl an Jugendgruppen beheimatet ist. Die wenigen Rückmeldungen aus der Deutschschweiz bestätigen jedoch ein gemeinsames Grundanliegen: Formen und Stile unterscheiden sich, doch die Suche nach Authentizität und Gemeinschaft verbindet über alle Regionen hinweg.
Freundschaft, Glaube, Echtheit
Am sichtbarsten wird diese Dynamik in den Jugendgruppen: 85 Prozent der Befragten freuen sich auf ihre Treffen. Die Begriffe, die im Zusammenhang mit diesen Treffen am häufigsten genannt werden, sind Freundschaft, Gebet, Lachen, Zeugnis, Authentizität. Einige erzählen von langen Abenden voller Gespräche über Leben und Glauben, von gemeinsamen Wochenenden, Lagern und geteilten Momenten des Lobpreises. Andere betonen die Freude am Zusammensein: «Man fühlt sich wie in einer Familie», sagt ein Jugendlicher. «Dort wachse ich am meisten in meinem Glauben», schreibt ein anderer. Besonders die Momente, die spontan entstehen – in denen man singt, lacht oder gemeinsam isst – gelten als entscheidend, um dauerhafte Beziehungen aufzubauen.
Gleichzeitig erinnern einige kritischere Stimmen daran, dass nicht alles reibungslos läuft. Manche fühlen sich zu alt für ihre Gruppe, andere empfinden die Treffen als zu gross oder wünschen sich mehr Schwung bei den Verantwortlichen. Diese Bemerkungen sind vereinzelt, doch sie zeigen: Vitalität schliesst Herausforderungen nicht aus. Gewisse Verbesserungen könnten das Gesamterlebnis noch inklusiver und anregender machen.
Zwischen Wachstum und Übergängen
Beim Thema Wachstum entsteht ein gemischtes Bild. Einige Jugendgruppen wachsen – gestützt durch starke Freundschaften und persönliche Einladungen. Andere erleben Rückgänge, etwa wegen fehlendem Nachwuchs oder schwieriger Übergänge. Wo Beziehungen gepflegt werden, entsteht Leben; wo sie abbrechen, verliert eine Gruppe an Energie. Die Entwicklung hängt somit ebenso von der Qualität der Beziehungen ab wie von der Gestaltung der Programme.
Engagement mit Sinn
Ein dritter Teil der Umfrage widmete sich dem Engagement und der Leiterschaft. Diese Fragen wurden von weniger Jugendlichen beantwortet als der übrige Teil, doch die Antworten sind aufschlussreich. Über 90 Prozent der antwortenden Jugendlichen haben sich bereits in ihrer Gemeinde engagiert – im Bereich Musik, in der Kinderarbeit, in Lagern, in der Logistik oder durch Zeugnisse. Der Wunsch, sich einzubringen, ist klar spürbar, oft begleitet von einem einfachen Leitsatz: «To see the change, be the change» – sei selbst die Veränderung, die du sehen möchtest.
Wenn man sie fragt, was ein Engagement für sie attraktiv macht, nennen die Jugendlichen zuerst den Sinn: zu verstehen, weshalb sie sich einsetzen und wozu ihr Beitrag dient. Sie betonen auch die Teamarbeit, denn sich allein einzubringen motiviert sie kaum – gemeinsam hingegen schon. Schliesslich heben viele die Bedeutung einer begleitenden Person hervor, eines Mentors oder Coachs: jemand, der an sie glaubt, sie fördert und ihnen Vertrauen gibt. Diese einfache Präsenz scheint ein wichtiger Hebel für geistliches und gemeinschaftliches Wachstum zu sein. Auf die Frage, wie die Gemeinde aussähe, wenn Jugendliche sie leiten würden, reagieren einige mit Humor: Sie wäre «lebendiger», «stylischer», aber vielleicht auch «finanziell fragiler». Dieser augenzwinkernde Realismus zeigt, dass Begeisterung und Nüchternheit sich nicht ausschliessen.
Eine Gemeinde zum Atmen und Wachsen
Am Ende zeichnet die Umfrage das Bild einer mennonitischen Jugend voller Hoffnung. Einer Jugend, die ihre Gemeinde liebt – als Ort frischer Luft und gelebter Geschwisterlichkeit. Aber sie erinnert auch an eine Verantwortung: den leiseren Stimmen zuzuhören und die genannten Herausforderungen ernst zu nehmen, damit sich niemand an den Rand gedrängt fühlt. Vitalität und Begeisterung genügen nicht für sich allein: Sie brauchen eine aufmerksame Haltung des Zuhörens und Strukturen, die Inklusion, Vertrauen und Kreativität fördern.
Text:
Maude Burkhalter










