Bei der Mennonitischen Europäischen Regionalkonferenz im Mai in den Niederlanden haben die europäischen Mennoniten 1060 Eimer mit Hilfsgütern und 785 Decken auf den Weg in die Ukraine gebracht.
«We want justice, we want peace! We want justice, we want peace!» Mit diesem Lied gaben Dutzende Freiwillige als Menschenkette Eimer mit Hygieneartikeln von Hand zu Hand, als bei der Mennonitischen Europäischen Regionalkonferenz (CMERK) in Amersfoort in den Niederlanden ein Laster mit Eimern und Decken für die vom Krieg gezeichnete Ukraine beladen wurde. Die CMERK dauert vier Tage und findet alle sechs Jahre statt. Als dann endlich alle tausend Eimer im Sattelschlepper verstaut waren, gab es Jubelrufe. Die weissen Eimer mit dem Logo des Mennonite Central Committee (MCC), die etwa 20 Liter fassen, enthielten jeweils Hygieneartikel und Handtücher für eine Familie. Später kamen noch 60 Sets hinzu, so dass insgesamt 1060 Eimer auf den Weg gebracht werden konnten. Ausserdem machten Freiwillige bei der CMERK auch 785 Patchworkdecken transportfertig.
«Ich freue mich sehr», sagt Matthias Hofer, der die Ehrenamtlichenarbeit organisiert hatte und bei der Schweizerischen Mennonitischen Mission die Nothilfe leitet. «Für mich ist es sehr wichtig, dass wir bei Treffen und Konferenzen wie hier auch diesen praktischen Ansatz verfolgen. Wir zeigen unseren Glauben im konkreten Handeln.» Später fügt er noch hinzu: «Wenn wir miteinander arbeiten und einander helfen, ist das zugleich auch etwas Geistliches. Menschen miteinander – das ist Tanz, das ist Gesang, das ist Lachen, das ist Gebet.» Hofer schätzt, dass hunderte Freiwillige aller Altersstufen beim Zusammenstellen der Sets, beim Einladen und beim Verpacken der Quilts geholfen haben. Gerrit Jan Romeyn, der Geschäftsführer des niederländischen Hilfswerks «Doopsgezind Wereldwerk», hat im Auftrag der europäischen mennonitischen Hilfswerke (European Mennonite Relief Organizations, EMRO) den Kauf der Artikel und ihren Transport nach Amersfoort organisiert.
«Die Menschen leiden und brauchen unsere Hilfe»
Beim Beladen halfen auch Max und seine Frau Anja. Max ist Pastor einer Mennoniten-Brüdergemeinde, und die beiden leiten gemeinsam das Zentrum «Neue Hoffnung», eine MCC-Partnerorganisation in Saporischschja in der Ukraine. Das Zentrum liegt nur ca. 30 km von der Front entfernt. Die Mitarbeiter:innen kümmern sich um die emotionalen und sozialen Nöte von Eltern und Kindern, die durch den Krieg noch grösser geworden sind. Ruth Hildebrandt (32) aus Mainz hat bei der Aktion mitgemacht, weil Not herrscht und weil es ihren Überzeugungen entspricht. «Etwas mit den eigenen Händen tun und Menschen in der Ukraine helfen und das alles als Gemeinschaft tun, das ist wichtig», sagt sie und macht unterdessen leere Kartons flach. Aus der Ferne hat sie den Krieg seit Beginn der Vollinvasion des russischen Militärs in der Ukraine im Februar 2022 verfolgt. «Das ist wirklich schlimm. Die Menschen leiden und brauchen unsere Hilfe», sagt Hildebrandt.
«Es ist wichtig, nicht nur zu beten, sondern auch etwas Konkretes zu tun.» Eileen Hofer (30) ist in einer Mennonitengemeinde in der Schweiz aufgewachsen. Ihre Eltern Matthias und Sylvie Hofer haben immer betont, wie wichtig es ist, Menschen in Not zu helfen. Also war es für sie nur gut und richtig, sich mit vielen anderen Freiwilligen für die Nothilfe für die Ukraine zu engagieren. «Ich mag die Bibelstelle sehr, wo es heisst, wenn man viel hat, kann man auch mehr geben», sagt sie über Lukas 12,48. «In unserem Land geht es uns so gut. So, wie ich lebe, kann ich viel abgeben. Ich will in etwas investieren, was zum Frieden beiträgt.»
Patchworkdecken für etwas Farbe und Hoffnung
Zu den Hilfsgütern gehörten auch Patchworkdecken mit unterschiedlichen Mustern. Quiltgruppen aus Frankreich, Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Nordirland haben Decken für die Ukraine beigesteuert. Eileen Hofer meint: «Ich denke, das bringt den Menschen in der Ukraine ein bisschen Farbe und Hoffnung, wenn sie wissen, dass diese Decke von Hand gemacht wurde, nicht einfach bloss gekauft. Ich hoffe, das gibt ihnen Hoffnung. Jesus hat so gelebt, dass er Frieden und Hoffnung gebracht hat, und er war mit Menschen zusammen, die nicht viel hatten. Wir haben viel, also teilen wir. Das Leben von Jesus ist für mich ein Vorbild.» Seit 2015 sind aus der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich schon mehrere tausend Quilts an Bedürftige verschickt worden, unter anderem nach Syrien und Jordanien. «Es war bewegend und motivierend, zu sehen, wie die Helfer und Helferinnen zusammengearbeitet und sich kennengelernt haben», sagt Marjan Huisman. Zusammen mit Jeanette Stenvers hat sie die Quiltgruppen in den Niederlanden und die Näharbeiten von Freiwilligen bei der CMERK koordiniert. Stenvers weist darauf hin, dass eine Jugendgruppe aus der Schweiz eine Fundraising-Aktion für das Projekt gemacht hat und 4‘000 Schweizer Franken gespendet hat.
Am 16. Mai verliess der Lastwagen die Niederlande und kam zwei Tage später an die ukrainische Grenze. Die humanitäre Hilfe war bestimmt für das Lager der Vereinigung der Mennoniten-Brüdergemeinden der Ukraine in der Westukraine. Auch die Vereinigung ist eine MCC-Partnerorganisation. Ein Teil der Hilfsgüter wird auch weitergeschickt an Bedürftige, die näher an der Frontlinie im Ostteil des Landes leben. «Nun muss die Hauptarbeit in der Ukraine geleistet werden. Sie erleben jeden Tag schwere Angriffe. Sie brauchen diese Ermutigung. Ein Quilt kann ihnen zeigen, dass wir an ihrer Seite sind. Wir haben zwei Tage gearbeitet – das war harte Arbeit. Aber sie leben das fünfte Jahr im Krieg», sagt Matthias Hofer.
Text:
David Driver, Leiter der MCC-Arbeit in der Ukraine










