Fast 800 Personen aus mehr als zehn Ländern trafen sich am Auffahrtswochenende im niederländischen Amersfoort für die CMERK – die Mennonitische Europäische Regionalkonferenz. Die Schweiz war mit Personen aus der Hälfte der vierzehn Schweizer Mennonitengemeinden gut vertreten. Sieben Teilnehmende schauen zurück auf eine Konferenz voller Begegnungen, Austausch und bewegender Momente.
«Die CMERK hat mir in all ihren Facetten sehr gut gefallen: Der Veranstaltungsort, ein altes Eisenbahndepot, das eine schöne und lockere Atmosphäre vermittelt hat, die Unkompliziertheit und Freundlichkeit der Gastgeber, die tollen Moderationen der Plenarveranstaltungen, das abwechslungsreiche Programm. Inhaltlich haben mich die Morgenveranstaltungen im Plenum am meisten bereichert: Zuerst Gespräche in kleinen Gruppen zu einem Bibeltext und dann kurze Auslegungen dazu – manchmal auch zu sehr herausfordernden Texten. Besonders lehrreich fand ich zudem einen Workshop zur Geschichte der holländischen Mennoniten. Ein Moment im Abschlussgottesdienst am Sonntagmorgen hat mich besonders berührt: Passend zum Thema der Konferenz entstand spontan eine Polonaise zu einem der Lobpreislieder und am Ende tanzte der ganze Saal ausgelassen mit.»
Christine Gerber Rihs, Evangelische Mennoniten-Gemeinde Bern
«Mich hat vor allem der Zusammenhalt zwischen den Teilnehmenden berührt. Alle sind sich mit viel Wohlwollen begegnet und man konnte einfach mit allen ins Gespräch kommen. Dabei erlebte ich immer eine grosse Offenheit und die Bereitschaft einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Gerade auch als junger Mensch fühlte ich mich jedes Mal voll ernst genommen. Die ganze Konferenz fühlte sich für mich tatsächlich an wie ein gemeinsames Tanzen im Strom. Dabei habe ich auch gemerkt, dass nicht alle Themen, die uns im Alltag beschäftigen, in jedem Land das gleiche Gewicht haben. Die zunehmende Militarisierung bedeutet in den Ländern rund um die Schweiz nicht nur, dass die Militärpflicht wieder eingeführt wird, sondern auch, dass man dann möglicherweise in einem Krieg mitkämpfen muss. In der Schweiz ist es anders und das ist ein grosses Privileg. Das ist etwas, das ich gelernt und in meinen Alltag mitgenommen habe – zusammen mit vielen anderen Eindrücken. Ich bin froh, dass ich dabei war.»
Markus Gerber, Alttäufergemeinde Emmental
«Mich haben die Zeiten im Plenum sehr angesprochen – das gemeinsame Feiern, die Inputs, der Austausch über Bibeltexte mit unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Ländern. Besonders berührt hat mich ein ganz einfaches Ritual: Zu Beginn jeder Plenarveranstaltung wurde eine Kerze angezündet. Am Ende wurde sie wieder gelöscht, verbunden mit den Worten: Wir löschen die Kerze, aber wir nehmen das Licht mit.
Neben den Plenarveranstaltungen hat mir gut gefallen, dass es viel Zeit ohne Programm gab, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Schliesslich bleiben mir besonders die vielen Quilts und Nothilfe-Kessel in Erinnerung, die für die Ukraine vorbereitet wurden. Sie gemeinsam auf den Weg in die Ukraine zu schicken hat mich berührt.»
Stéphanie dos Santos, Église évangélique mennonite de Tavannes
Eindrücke von der CMERK 2026
« Die Niederländer haben die CMERK super organisiert. Das alte Eisenbahndepot war ideal für den Anlass und verströmte viel Charme. Wir wurden freundlich empfangen und immer gut betreut, auch wenn wir Fragen hatten. Da ich kein Englisch kann, war für mich die Übersetzung auf Deutsch wichtig und die hat in den Plenarveranstaltungen sehr gut geklappt. Die Workshops wurden allerdings nicht übersetzt. Deshalb fiel mir die Wahl nicht schwer: Ich besuchte einen der wenigen, die auf Deutsch angeboten wurden: Mission in der Zukunft mit Lukas Amstutz. Dafür habe ich dann geholfen, die Hygiene-Kessel für die Ukraine zu verpacken und zu verladen. Und natürlich hat auch eine Tour durch das Städtchen Amersfoort nicht gefehlt. Beeindruckt hat mich, dass am Anfang aller Plenarveranstaltungen immer ein Bibeltext gelesen und dazu eine Kerze angezündet wurde. Dass wir dann die Kerze am Schluss gelöscht haben, verbunden mit dem Wunsch, das Licht mitzunehmen, bleibt mir besonders in Erinnerung. Was mir auch aufgefallen ist: Das Durchschnittsalter der Lobpreis-Gruppe war eher hoch und damit gewöhnungsbedürftig, aber offenbar repräsentativ für die niederländischen Mennoniten. Wo bleibt die mennonitische Jugend in den Niederlanden?»
Hans Oppliger, Alttäufergemeinde La Chaux-d’Abel
«Wir waren als Familie mit unseren zwei Kindern an der CMERK. Das hat die Konferenz für uns etwas speziell gemacht: Wegen dem Tagesrhythmus der Kinder konnten wir nicht einfach von Morgen bis Abend an allen Programmpunkten dabei sein. Trotzdem war es eine gute Erfahrung, die uns alle auf irgendeine Weise bereicherte: Unser Fünfjähriger genoss das Kinderprogramm und der Achtjährige half einen Tag lang voller Enthusiasmus mit, Hygienekessel für die Nothilfe-Aktion zu befüllen. Ich schätzte besonders die Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen. Mich beeindruckt immer wieder, wie an solchen Konferenzen trotz aller Unterschiede mit allen eine Verbindung spürbar ist und man einander mit viel Wohlwollen und im Frieden begegnet. Das war bereits meine dritte CMERK – und falls möglich werde ich an der nächsten wieder dabei sein.»
Kathleen Liechti, Eglise mennonite Evangélique Les Bulles
«Ich habe die Begegnungen mit unterschiedlichsten Leuten aus der weltweiten täuferisch-mennonitischen Gemeinschaft besonders gut in Erinnerung – Leute, die ich vor zehn Jahren an der Weltversammlung kennengelernt habe, entfernte Verwandte, Bekannte von Bekannten oder auch Menschen, denen ich zum ersten Mal begegnete. Egal mit wem, kam ich mit allen immer schnell ins Gespräch. Es war bereichernd, mit viel gegenseitiger Wertschätzung über das Leben, unseren Glauben und unser Unterwegssein im Glauben auszutauschen. Auch wenn wir teilweise sehr unterschiedlich waren, spürte ich immer eine Verbindung durch unsere Werte und unseren Glauben. Mir tat es gut zu erfahren, dass ich zu einer grossen, vielfältigen Gemeinschaft gehöre.»
Julia Neufeld, Evangelische Mennonitengemeinde Schänzli
«Auf die CMERK zurückzublicken, bedeutet: Einen herzlichen Moment in Erinnerung rufen, den ich in einer wohlwollenden Atmosphäre erleben durfte, perfekt organisiert, mit unglaublicher Gastfreundschaft, ein Moment der Begegnungen mit der Vielfalt mennonitischer Kulturen, Glaubenspraktiken und theologischen Gedanken aus der ganzen Welt.
Die Tage in Holland haben auch daran erinnert, dass das Leben in der Welt nicht einfach ist – für Mennoniten und viele andere Menschen weltweit, die nicht das Glück haben, in Freiheit zu leben, so wie wir. So wurde etwa ein Lastwagen vorbereitet, der in die Ukraine fuhr, beladen mit Eimern, mit Decken – ein unglaubliches Engagement von Menschen, die bereit sind, über alle Unterschiede hinaus, Menschen in Not zur Seite zu stehen.
Dann waren da berührende Zeugnisse und Laien, die das Wort ergriffen, und uns mit ihren Auslegungen verschiedener Bibeltexte Hoffnung geschenkt haben. Prägend waren schliesslich auch die Begegnungen mit Menschen von anderswo – Mitgliedern der Mennonitischen Weltkonferenz, die gekommen waren, um zu sehen, was in Europa geschieht. Sie haben uns Lust gemacht, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Denn auf den anderen zuzugehen bedeutet, einen Schritt in Richtung Frieden und Toleranz zu machen – und das ist wirklich wichtig in einer Welt, die auseinanderfällt und wo man eher dazu neigt, Grenzen zu errichten, als aufeinander zuzugehen.
Die CMERK – ein besonderer Moment also, eine kleine Auszeit in einem allzu vollen Leben – wiederholungswürdig.»
Hervé Gulotti, Evangelische Mennonitengemeinde Sonnenberg
Titelbild:
Christoph Hertzler










